Preisprognosen durch Agripreis

Wandel heißt Veränderung. Es gibt kaum einen anderen Markt, der sich im Laufe der Jahrhunderte geändert und gewandelt hat. Und doch eine so elementare Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Wir erklären heute, woher dieser Wandel kommt und wie diesen zukünftig für uns nutzen können.

Der Agrarstrukturwandel setzte mit dem Beginn der industriellen Revolution ein. Kennzeichnend für den landwirtschaftlichen Strukturwandel sind insbesondere die durch den technischen Fortschritt ausgelösten hohen Produktivitätsfortschritte, eine begrenzt steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln, starker Preisdruck von Seiten des abnehmenden Handels und Abwanderungsprozesse aus der Landwirtschaft in die Industrie.

Der mechanische als auch der biologische Fortschritt führten dazu, dass sich beispielsweise der durchschnittliche Hektarertrag von Weizen innerhalb von 100 Jahren von 18,5dt auf heute rund 75,7dt erhöhte. Um 1900 war es einem Landwirt daher im Schnitt lediglich möglich 4 Personen zu ernähren, wogegen im Jahr 2013 mit der durchschnittlichen Produktion eines Landwirts 144 Personen mit Nahrungsmitteln versorgt werden konnten.

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Neben diesen Entwicklungen ist der Agrarstrukturwandel im Allgemeinen vornehmlich durch eine fortwährend sinkende Anzahl an Betrieben bei einer kontinuierlich zunehmenden durchschnittlichen Betriebsgröße gekennzeichnet. 

Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe sinkt, dafür steigt die durchschnittliche Flächenausstattung

Nach dem Engel’schen Gesetz steigt die Nachfrage nach Agrarerzeugnissen bei zunehmenden Einkommen weniger stark als die Nachfrage nach nichtlandwirtschaftlichen Gütern. Zurückzuführen ist dies auf die geringe Einkommenselastizität von Lebensmitteln. Die Konsequenz hieraus ist, dass aufgrund des sinkenden Entlohnungspotentials in der Landwirtschaft immer mehr Arbeitskräfte die Landwirtschaft verlassen und in andere Wirtschaftszweige abwandern. Auch der Abbau von Handelsbarrieren, die Senkung von Transportkosten oder eine sinkende Nachfrage können den intrasektoralen Wettbewerb bzw. die Konkurrenz zwischen Landwirten erhöhen, besonders im Bereich der regionalen Landwirtschaft.

In Deutschland ist die Anzahl an landwirtschaftlichen Betrieben mit einer Betriebsgröße von mehr als 5 ha allein schon im Zeitraum von 1995 bis 2013 von 587 744 auf 285 000 Betriebe gesunken und die durchschnittliche Flächenausstattung pro Betrieb von 42,8 ha auf 64 ha gestiegen.

Neue Ansprüche formen sich aus der Gesellschaft – und stellen die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen

Der Agrarstrukturwandel des modernen 21. Jahrhunderts ist zusätzlich zu den bereits genannten Punkten durch eine Vielzahl an miteinander verwobenen wirtschaftlichen, politischen und institutionellen Veränderungsprozessen charakterisiert. So haben sich die gesellschaftlichen Ansprüche an den Agrarsektor deutlich geändert. Lag früher der Fokus auf der rein quantitativen Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, rücken heute die Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit, der Umwelt- und Tierschutz, Kulturlandschaftsbeiträge, als auch die Multifunktionalität der Landwirtschaft in Bezug auf Bedürfnisse im ländlichen Raum immer stärker in den Fokus der Gesellschaft. 

Diese Veränderungsprozesse spiegeln sich auch in der Agrarpolitik wider, welche zunehmend an Umwelt- und Qualitätszielen ausgerichtet ist. Die Bezeichnung der Multifunktionalität ist inzwischen zu einem wichtigen und zentralen  Begriff der europäischen Agrarpolitik geworden. Aber auch neue Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik oder der Gentechnik treiben den Strukturwandel voran. 

Internationaler Konkurrenzdruck fordert schnellen Handlungsbedarf

Zudem führt die steigende Internationalisierung und Globalisierung zu Veränderungen in der bestehenden Volkswirtschaft. So haben die Rahmenbedingungen, denen Unternehmen im Allgemeinen ausgesetzt sind, in den vergangenen Jahrzehnten in zunehmendem Maße an Übersichtlichkeit, Berechenbarkeit und Stabilität. 

Im Bereich der Landwirtschaft äußert sich dieser Veränderungsprozess in Bezug auf die Standortrahmenbedingungen in der Ausweisung von neuen natur- und landschaftsbezogenen Schutzgebieten, Anpassungen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, bei kommunalen baurechtlichen Vorgaben oder in Form von baulich planerischen Flächenumwidmungen. Neben diesen Punkten kann die relative Standortvorzüglichkeit eines landwirtschaftlichen Betriebes auch durch die Verfügbarkeit von Arbeitskräften vor Ort beeinflusst werden. Denn wie in anderen Wirtschaftssektoren sind auch in der Landwirtschaft die Folgen des demografischen Wandels spürbar. Insbesondere Betriebe in den neuen Bundesländern haben aufgrund des demografischen Wandels mit neuen Schwierigkeiten zu kämpfen. Als weitere Herausforderungen kommen der internationale Konkurrenzdruck auf den globalen Rohstoffmärkten und die Liberalisierung der Agrarmärkte hinzu. Inwieweit ein Unternehmen erfolgreich im Zuge des Strukturwandels positioniert und entwickelt werden kann, hängt daher maßgeblich davon ab, ob es dem Betriebsleiter gelingt, auf das sich dynamisch verändernde Umfeld mit den richtigen betrieblichen Anpassungsstrategien und -Maßnahmen zu reagieren.

Autor: Marco Heldt

Er ist unser Mann für alles, was mit Zahlen zu tun hat. Er kennt sich mit dem Agrarmarkt aus und kann in besser als jeder andere analysieren. Marco’s heimliche Leidenschaft: Lakritze. Jeden Tag mindestens eine Packung. Und das ist nicht übertrieben.